Fürchte dich ruhig!

Gerade heute Morgen habe ich mit meiner Partnerin über verdrängte Gefühle gesprochen und wie es mir geholfen hat in meiner Therapie zu meinen Gefühlen zu stehen. Und wie mein Leben wieder reicher geworden ist nachdem ich nicht nur Wut, Zorn und Trauer fühlen konnte, sondern auch die Freude ganz neu empfinden. Danke für diese Aspekte zum Umgang mit der Angst. Ich finde, dass wir in einer Zeit leben, in der man sich zurecht wohl fürchten kann. Und die Schritte, die du da beschreibst, sind sehr hilfreich.

Nachtrag: Die Angst zulassen, sich einzugestehen und dann die Zusage zu hören „Fürchte Dich nicht!“ ist für mich kein Widerspruch.

marthori

„Fürchte dich nicht!“ ist das Billy-Regal unter den Bibel-Zitaten. Und in der Corona-Pandemie ist es die Lieblingsphrase von kirchlichem Personal. Antje Schrupp hat diesen Satz zu ihrem persönlichen Unwort des Jahres gekürt.

Als Zuspruch finde ich diesen Satz wirklich ärgerlich – und nicht erst, wenn er geballt vorkommt, sondern auch schon in kleineren Dosen. Der Zuspruch ist gut gemeint, sicherlich. Aber er zeugt vor allem von einer mangelnenden Kenntnis über Gefühle. „Fürchte dich nicht!“ wirkt weise und seelsorgerlich. Aber es ist eine banale Phrase, die genau da Gegenteil von Seelsorge ist.

Gefühle lassen sich nicht durch Appell ändern. Auch wenn der Appell sanft formuliert und liebevoll gemeint ist. Gefühle stellen sich weder ein, noch lassen sie sich abstellen, wenn man sie dazu auffordert: „Nun freu dich mal!“, „Sei nicht so wütend!“, „Du musst nicht traurig…

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Gedanken zum Jahresende oder:

Das neue KIRCHENJAHR hat begonnen

Dieser Tage erhielt ich eine Mail von meinem ehemaligen Chef der Männerarbeit in Hannover. Der Inhalt hat mich so angesprochen, dass ich mir die Erlaubnis geben ließ, den Text zu veröffentlichen.

Gedanken zum Jahresende

Liebe Freunde der Männerarbeit, liebe Mitmenschen und Mitchristen!

Wir gehen in die letzten Wochen eines denkwürdigen Jahres. Es ist ein Jahr, in dem wir uns bescheiden mussten und vielleicht bescheidener geworden sind. Nach dem Lockdown im Frühjahr und der Einschränkung des gesamten Lebens schien schon vieles überstanden zu sein. Wir fingen an, uns wieder zu treffen, zuerst wenn möglich draußen. Es gab wieder Verabredungen und Veranstaltungen, wenn auch mit Vorsicht. Wir fingen auch an, uns an die Regeln zu gewöhnen. Ja, so könnte es gehen mit der neuen Normalität, dachten wir. Aber mit dem Herbst wurde es dunkler, kühler, die Aufmerksamkeit vielleicht nachlässiger. Und dann zeigte sich, dass nichts überstanden war. Erneut wird das gerade erst eingeübte Leben ausgebremst. 

An der Tankstelle erzählt der Kassierer, dass sein Freund beatmet wird und bei seiner Frau, die vor sechs Wochen betroffen war, bis heute der Geschmackssinn nicht zurückgekommen ist. Da kommt es einem nah und das Ungreifbare wird real. Die meisten zeigen sich einsichtig und erkennen die Notwendigkeit. Aber die Stimmung trübt sich ein wie im Nebel. Die dunkle Jahreszeit würde sonst aufgehellt von vorweihnachtlicher Erwartung. Aber wie wird das Fest in diesem Jahr? Was wird überhaupt möglich sein? Fällt Weihnachten aus? Wie wird das gehen, wenn man sich allenfalls vorsichtig sehen kann? Welche Art von Fest wird das werden?

Vielleicht ist „Trotzdem“ das passende Wort für die diesjährige Weihnachtszeit. Nicht in dem Sinn, dass wir trotzdem machen, was jetzt falsch wäre. Es gibt ein „Trotzdem“ des Weihnachtsereignisses selbst. War es nicht von Anfang an so, dass Gott trotzdem zu den Menschen kam? Trotz der Aufregung, die schon damals herrschte. Trotz der Verhältnisse, die für manche einen Kampf um die Existenz bedeuteten? Weihnachten geschieht. Wir erinnern uns, wie Gott seinen Platz nahm in einer Welt, die beengend sein kann, herausfordernd oder eben auch pandemisch. Sein Ort ist da, wo es beengt zuging. Trotzdem oder gerade deshalb stiftete er die Heilige Nacht. Weil er kommen und da sein will. Unsere gewohnten Feierabläufe mögen gestört sein, unsere Vorlieben ausgebremst und manche Sicherheiten zerstört. Aber das hindert nicht Weihnachten. Weihnachten ist göttlich. Weihnachten geschieht auch in diesem Jahr!

Wir werden uns bescheiden, werden Vernunft walten lassen und üben uns in Geduld. Wir haben schon eine Menge gelernt und setzen auf die gewonnenen Erfahrungen. Was an Hilfsmechanismen im Frühjahr auf die Schnelle erfunden werden musste, ist jetzt routinierter. Wir lassen hoffentlich keinen auf der Strecke. Und wir werden auf diese andere Art trotzdem feiern. Vielleicht in Etappen. Vielleicht mit Gästen, die digital mit am Tisch sind, vielleicht mit einem Gottesdienst in der Natur statt in der Kirche. Trotzdem und auch im Kleinen werden wir uns beschenken. Mit Verbundenheit, die nicht ausgelassen ist, aber fein und wertvoll. Das, was möglich ist, werden wir besonders wertschätzen.

Trotzdem Weihnachten! Weil Gott sich gerade unter dieses Leben gemischt hat. Und weil sein Dasein gerade in die kleinen, begrenzten und beengten Verhältnisse eine Weite des Herzens bringt und dazu hilft, den Widrigkeiten zu trotzen und trotzdem hoffnungsfroh zu sein. Und wenn der Blick dann weitergeht – bis hinein ins nächste Jahr – werden wir hoffentlich davon etwas mitnehmen können. Die innere Weite und verständige Weitsicht wird uns helfen, die äußeren Begrenzungen mitzutragen, solange es nötig ist. Es wird uns helfen, weiter geduldig zu sein und im besten Sinn pragmatisch, nämlich daran orientiert, was hilft und nützt.

Ein langer Weg liegt vor uns …

Ja, trotzdem ist Weihnachten. Gott kommt für eine Weite im Herzen, in der Seele und auch im Verstand. Dass wir unsere Weitsicht behalten und jede Aussicht zum Besseren durch unser Mittun befördern. Gottes Weihnachten ist dafür da, dass wir etwas im Herzen zu bewegen haben. Denn wer das hat, wird nicht eng werden, sondern beweglich bleiben und auch in den gegebenen Grenzen Gottes Weihnachtsbotschaft erleben.

Herzliche Grüße

Henning Busse, Landespastor für Männerarbeit

Im Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

PS Ich füge hinzu: Danke Henning für diese ermutigenden klaren Worte.

Wir planen für 2021

7. bis 14. August 2021 – Männerwoche Schweden
Mehr Informationen

„Wir wissen nicht was kommt“ so heißt es in einem Lied. Was wir wissen: Wir wollen wieder nach Schweden, besonders nach dieser schwierigen Zeit mit Covid 19 und wir werden viel zu erzählen haben.

Der Rahmen der Biographiearbeit wird uns die Gelegenheit und den Raum geben, das mit einander zu teilen, was wir erlebt haben, was uns beschäftigt und was wir erträumen.

In den letzten Wochen habe ich viel von der Männerwoche erzählt. Alle Männer fanden das ziemlich spannend, was sie da hörten. „Wann findet das statt?“ war immer die anschließende Frage.

So werden wir wohl diesmal eine spannende neue Zusammensetzung von Männern haben. Bist Du dabei?

Hier gehts zur Anmeldung

Im intensiven Austausch

Ich darf Fehler machen

Oder: Wie gehe ich damit um, wenn ich jemanden verletzt habe?


Es gibt Handlungen im Leben, die Mann schnell bereut. Heute ist mir das passiert. Ich habe einen Menschen verletzt, den ich sehr liebe. Glücklicherweise hat mir dieser Mensch das verziehen. Aber meine Schwierigkeit ist, mir selbst zu verzeihen. Kennst du das auch?
Und ich habe gemerkt, dass ich zurückgefallen bin in mein „Falsches Selbst“. Mein „Wahres Selbst“ schaut da drauf und sagt: „Du darfst Fehler machen!“ Aber ich merke, wie schwer mir das fällt, mein Magen sagt: „Da stimmt was nicht!“ Meine Gefühle und Gedanken drehen sich um meinen Fehler.

Ich stelle mal die Eigenschaften des „Falschen Selbst“ dem „Wahren Selbst“ gegenüber:

Quelle: Richard Rohr

Ich wunder mich über mich selbst: Ich weiß doch alles und doch kommt das Alte immer noch hoch.

„Gewiss wird in der Taufe der alte Adam ersäuft, aber das Biest kann schwimmen!“

Und ich kann Luther verstehen, wenn er sagt:
Unser altes Ego ist der „alte Adam“. Und er hat darauf hingewiesen, dass nicht etwa schon mit der Taufe das alte Ego erledigt ist – der Mensch also total wiedergeboren ist.
Alter Adam: Das sind etwa Ängste, Begierden, Süchte. Und hier treibt der alte Adam auch so sein Spiel. Besonders unangenehm etwa dann, wenn es so plötzlich und spontan daher kommt.


Wenn Du die Gegenüberstellung herunterladen willst, dann findest du hier die PDF

Wie Neues entsteht

„ Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht in ihrem Lauf bis zur Mitte gelangt war, da sprang dein ein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Thron herab“
(Buch der Weisheit 18,4)

Ich bin zwar schon seit Ende Januar in meiner neuen Wohnung, aber noch längst habe ich nicht alle Kartons ausgepackt – ich muss mich noch von manchen Dingen trennen! Beim Sichten meiner Utensilien habe ich den Weihnachtsbrief der Cella Sankt Benedikt in Hannover gefunden, noch im Umschlag und nicht geöffnet. Und ich lese – und finde es ist in merkwürdiger Weise total aktuell:

„Wenn etwas Neues entstehen will, dann braucht es den Zustand völliger Offenheit, der Bereitschaft sich auf etwas Neues einzulassen, bei dem man noch nicht weiß, wohin es einen führen wird.“ Das spricht mich unmittelbar an, denn ich weiß, dass es für Neues Zeit braucht und einen Raum. Es geht um diesen besonderen Raum in uns, den wir oft sehr erfolgreich ignorieren und geschlossen halten, einen Raum, der leer ist, der bereit und offen ist, der sich hingibt und in dem alles geschehen kann. und natürlich kenne ich diese Unwägbarkeit, diese Unsicherheit, die mir Angst macht und mich die Tür lieber mit allen Kräften zuhalten lässt. Es ist sehr viel einfacher sich der Fülle hinzugeben, ich folge lieber klaren Wegen und lieber lasse ich mich unterhalten und sättigen mit all den Oberflächlichkeiten, die mir begegnen.

Die Corona Zeit hat mir auf besondere Weise dabei geholfen in einer großen Radikalität offen zu sein, denn das Kontaktverbot führte dazu, dass ich bei mir selber blieb und all die Dinge, die ich eigentlich geplant hatte, nicht machen konnte. Und bei diesem Stehenbleiben und nicht wissen, wohin der nächste Schritt geht, in einen inneren Raum zu kommen und zu sein, nichts zu sehen, nichts zu wissen und nichts zu erahnen.

Und die Brüder sagen dazu: Ist das nicht das Leben selber, ist dieser Raum nicht eigentlich das Leben als solches?

Offen in aller Radikalität: Spiritueller kann ein Leben nicht erfahren und aufgefasst werden. Und genau dahin sind wir heute gestellt, genau das ist unsere Situation. Wir sind mitten in der Nacht in der tiefes Schweigen das All umfängt. (Das ist im November 2019 geschrieben!)

Und weiter schreiben sie: Wir sehen nur diesen einen offenen Raum, halt diese Leere, dieses nichts und nichts mehr. Und kaum haben wir das erkannt, ereilt uns der Wunsch, diesen Raum wieder zu füllen. Aber der Raum lässt sich nicht füllen, nicht von uns und nicht in dieser Weise.

Und angesichts der ganzen Unsicherheit, in der wir uns gerade befinden, bleibt uns nichts anderes übrig als diese Offenheit auszuhalten. Und genau an dieser Stelle ist mein Gottvertrauen gefragt, mein Ja zum Leben gefordert. Es heißt zu vertrauen, es heißt auszuhalten und bereit zu sein die Offenheit zu ertragen. Und dann? Was kommt dann? Was wird werden?

Ich zitiere weiter aus dem Weihnachtsbrief:

Wir wissen es nicht, niemand weiß es – am wenigsten die, die es zu wissen meinen. Doch wenn wir bereit zu dieser Offenheit sind, wenn wir dem Leben lauschen und Vertrauen, in großer Dichte, in tiefer Stille, dann wird sich etwas zeigen. Irgendetwas zeigt sich immer. Das Leben kann gar nicht anders.

Das Buch der Weisheit spricht von einem Wort. Das ist der andere Pol, die andere Seite der Offenheit, des Nichts und des Schweigens und zugleich ist das Wort die passende Ergänzung. Denn kein Wort wurde bisher gesprochen, ohne aus dem Schweigen geboren worden zu sein. Das Wort ist die Antwort auf das Ausharren in diesem radikalen Nicht-Wissen. An irgendeiner Stelle wird es jemanden auffallen, dass das Wort da ist. Es wird jemanden geben, der wird es spüren, es fühlen, dem wird es keine Ruhe lassen und der wird es den anderen sagen müssen – und vermutlich wird es kein Beauftragter sein, keiner, in dessen Zuständigkeit das Wahrnehmen des Wortes fällt. Dieses Wort, dass vielleicht eher mit einem Samenkorn zu vergleichen ist, dieses Wort wird uns zu einem neuen Weg führen. Vielleicht uneben, holprig nicht einen dieser Wege, die schon so viele gegangen sind, sondern einen anderen, unwegsamen Weg. Und vermutlich wird nicht viel von dem übrig bleiben, was uns heute vertraut und gewohnt ist.

Und dann geht es weiter und das Wort geht uns sozusagen voran, wandelt sich zu einem neuen Wort, einem neuen Impuls, zu einem Stern auf dem Weg, zu einer inneren Stimme im Herzen.

Wandlung beginnt mit Stille, Veränderung mit Leere. Das ist nicht das Ende vor dem Neubeginn, das ist der Beginn des Neubeginns. Hier angelangt, zeigt sich die eigentliche Tiefe und Bereitschaft, sich auf das Leben und auf Gott einzulassen.

Mir geht es in dieser Corona Zeit so, dass mir manchmal die Worte ausbleiben, dass ich einfach schweige. Und vielleicht ist das gerade die Herausforderung im Schweigen und in der Leere auszuharren, mitten in der Nacht, gerade dann, wenn diese Offenheit kaum mehr zu ertragen ist.

Meine Erfahrung ist, das es mir nicht lange bang ums Herz sein muss. Das Wort kommt immer – immer ganz sicher. Weil das Leben so ist, weil es nicht anders kann, weil es immer einen Weg gibt und weil ich mir der Liebe Gottes sicher bin – egal, was geschieht. Ich wünsche Euch allen diese Zuversicht.

PS Dank an die Brüder aus der Cella Sankt Benedikt Hannover

http://www.cella-sankt-benedikt.de



Heute vor einem Jahr

16. Juli 2019 – Ist es schon wieder ein Jahr, ist das schon so lange her?, textet Reinhard Mey und genau diese Frage beschäftigt mich heute. Vor 365 Tagen bin ich aufgebrochen nach Norwegen, um den Olavsweg zu gehen. Auf dem kleinen Bahnhof von Klecken in der Nähe von Buchholz in der Nordheide begann eine Reise, die symbolisch auch für meinen inneren Aufbruch steht.

WER SICH WEDER den Anforderungen stellt, die ihm im Leben begegnen, noch die Chancen ergreift, die vor ihm ausgebreitet werden, gehört zu den Menschen, die sich regelrecht am Leben vorbei mogeln.

Peter Dyckhoff in: Dem Licht Christi folgen
Auf dem Hauptbahnhof in Hamburg warte ich auf den Zug nach Göteborg

Vorbeimogeln ist nicht meine Art. Es paßt auch nicht zu meiner Neugier für das Leben. Und ohne diese Neugier gäbe es in meinem Leben nicht diese vielen Stationen, die verbunden sind mit interessanten Menschen und Erfahrungen. Meine Pilgerreise gab mir die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen und in der Stille Norwegens auf einsamen Wegen Erlebnisse und Erfahrungen zu verarbeiten, die seit Anfang April 2019 mein Leben geprägt haben:

  • die Erfahrung, daß ärztliches Können an Grenzen stößt
  • die Erfahrung des großen Beistands meiner Familie
  • die Erfahrung des Getragenseins durch Gebete und Freunde
  • die Erfahrung, daß Gott nicht immer körperlich heilt
  • die Gewißheit, dass es Barbara jetzt gut geht
  • das Geschenk einer besonderen Abschiedsfeier von Barbara
  • die Erfahrung loslassen zu dürfen und damit die Grundlage für mein weiteres Leben zu erhalten
Der Gekreuzigte im Nidarosdom

Ja, ich will wieder schreiben, mich mitteilen. Es gibt viele Themen, die mich bewegen und ich freue mich auf Reaktionen, Fragen, Ergänzungen, Resonanz.
Anders als im vergangenen Jahr, werdet Ihr nicht täglich etwas von mir hören. Aber vielleicht interessiert es Euch ja, wie sich das Auf-machen bei mir vollzieht, welche Herausforderungen damit verbunden sind und wie ich mir Hilfe und Unterstützung hole.

Bleibt behütet!

Vom Auf-machen

Letztes Jahr ist viel passiert. Mir passiert. Plötzlich hat sich mein Leben verändert. Und ich hatte keinen Einfluss darauf, keine Kontrolle mehr.
Wenn ein geliebter Mensch stirbt ist es so, als ob das Licht ausgeht. Plötzlich bist du tastend im Dunkeln. Vor ca. einem Jahr habe ich unser Testament geschrieben in der Hoffnung, dass wir es nicht so schnell brauchen. Aber es ging schneller als wir alle dachten und phantasierten. Am 12. Mai 2019 starb meine Frau Barbara mit 68 Jahren an den Folgen des Leberkrebses.
Das einzig Positive, was ich im Moment darin sehen kann, ist die Tatsache, dass sie nicht lange und nicht länger leiden mußte.
Sie war 47 Jahre an meiner Seite. Dass hier eine riesige Leerstelle klafft, mag jede und jeder nur erahnen. Aber sie gab mir etwas mit auf den Weg. Eine ihrer wichtigen Worte in dieser letzten Phase ihres Lebens war: „Du hast noch 20 oder 25 Jahre vor Dir, mach was draus!“
Am 21. Mai haben wir sie beerdigt mit einem bewegenden Trauergottesdienst mit besonderer Musik und vielen Freunden und Weggefährten. Seitdem lebe ich in einer großen Spannung. Der Spannung zwischen großer Traurigkeit und neuer Lebenslust.
Am 15. Juli habe ich mich mit Greta, meiner Elohündin, auf-gemacht noch Norwegen um von Lillehammer noch Trondheim zu pilgern. Mehr dazu auf meinem Pilgerblog.
Am 15. September, unserem Hochzeitstag, habe ich mein Wohnmobil, einen VW-Bulli bekommen und bin im Oktober nach Süddeutschland und die Schweiz gereist, um Farben für den Winter zu sammeln.

Im Januar dieses Jahres habe ich mich aus Wienhausen verabschiedet und bin in die Nähe meiner Familie gezogen in eine kleine Wohnung. Die Veränderungen sind heftig und manchmal schmerzlich, aber ich bin der festen Zuversicht, dass sie der Doppelpunkt für mein „neues Leben“ sind. Ich sage extra nicht Grundlage, denn meine Grundlage ist die Dankbarkeit für alles, was ich bisher erlebt und geschenkt bekommen habe. Das ist auch mein Glaube, dass Gott mich hält und einen Weg für mich hat.

Eremoswochen

Ich gehe in die Wildnis, um ein Teil zu sein, um meinen Platz in der Welt als meinen Platz zu akzeptieren. Um zu leben. Um zu atmen. Um zu sein. 
William Ashworth (*1942)

Heute habe ich mit den Eremoswochen begonnen. Das ist ein Exerzitienweg bis Palmsonntag. Letztes Jahr im September habe ich Jan Frerichs von der Franziskanischen Lebensschule bei Naturexerzitien kennengelernt. 
Mit einem wunderbaren Journal, täglichen Impulsen, einem wöchentlichen Austausch sind wir ab heute unterwegs mit Menschen aus ganz Deutschland und darüber hinaus um unserer Sehnsucht Raum und Gestalt zu geben.

Was bedeutet Eremos?
Die Bibel nennt die Wüste »eremos«. Das Wort bezeichnet aber mehr als eine Wüstenlandschaft, es ist auch einfach der »wilde Ort« oder auch noch allgemeiner die »wilde Natur«. Eremos beschreibt jenen Bereich, der ganz ursprünglich ist, außerhalb aller zivilisierten Komfortzonen. Und jeder Mensch trägt einen solchen Eremos im Herzen. Es ist der Ort, an dem jeder und jede ganz ursprünglich und verbunden mit allem ist. Der Ort, an dem ein Feuer brennt, das niemals erlischt, und wo Gott dir begegnet – so wie er Mose im Dornbusch begegnete.

In den Eremos-Wochen geht es darum, diesen wilden und ursprünglichen Ort zu erkunden und dort (wieder) heimisch zu werden, Wurzeln zu schlagen. Denn dort ist die Quelle inneren Friedens und Lebendigseins, Intuition und Kreativität und auch ein Zugang zu der ureigenen Gabe zu finden, die wir der Welt schenken können. Die Suche nach deinem wahren Selbst – deinem innersten Kern – und die Suche nach Gott, sind im tiefsten Grunde ein- und dasselbe: »Gott und ich, wir sind eins«, so formuliert es Meister Eckhart.

Mehr zur Franziskanischen Lebensschule

Einladung zu den Eremoswochen 2021