Energie Null, Schmerzen 100 oder: Wie Gefühle sich somatisieren

Nein, das wünsch ich keinem, nicht mal meinem ärgsten Feind: Diese Schmerzen! Es fing zwei Tage, nachdem ich aus dem Urlaub zurück war, an. Ich wachte auf und dachte: Oh, Du hast Dich heute Nacht verlegen. In meinem Rücken steckt ein Messer – so fühlte es sich an. Nerv eingeklemmt? Da ich nach meinem Umzug an den neuen Wohnort noch keinen Hausarzt hatte überlegte ich, was zu tun sei. Mein Chiropraktiker fiel mir ein. Und tatsächlich bekam ich zwei Tage später einen Termin. Emotionale Erleichterung! Wieder zwei Tage später saß ich morgens nach einer schlaflosen Nacht, an schlafen war wegen der Rückenschmerzen nicht zu denken, in der Notfallambulanz des örtlichen Krankenhauses. Nach der Untersuchung hörte ich zwei Aussagen: „Ich schließe aus, dass Sie was Schlimmes haben. Ich kann Ihnen nicht sagen, was Sie haben.“ Kein schöner Wochenendbeginn!

Der Besuch beim neuen Hausarzt am Montagmorgen brachte ein wenig Licht in das Dunckel der Schmerzen. Und richtige Schmerzmittel einschließlich einer Verordnung Physiotherapie. In der zweiten Woche wurden die Schmerzen stärker statt schwächer und nachts hatte ich den Eindruck, mein Körper ignoriert die Schmerzmittel. Die Kilometerleistung durch laufen in der Wohnung nahm zu, meine Energie sank jede Nacht und mein Schlafdefizit multiplizierte sich.
Tagsüber spürte ich dumpf die Schmerzen, konnte aber die alltäglichen Dinge gut erledigen. Aber Abends bekam ich immer mehr Panik vor den Nächten. Meine Physiotherapeutin fragte vorsichtig nach, ob ich glaube, dass ich die Trauer über den Tod meiner Frau schon verarbeitet habe? Ob ich möglicherweise zornig und wütend bin und das nicht zulasse?
In meiner Verzweiflung stand ich Anfang der dritten Woche weinend in der Praxis meiner Hausärztin. Einweisung ins Krankenhaus, Untersuchung beim Orthopäden, MRT. Im Krankenhaus sagte man mir: „Den MRT Termin müssen sie selbst buchen, der Orthopäde kann erst tätig werden, wenn er die MRT Bilder hat.“ Ich dachte: Jetzt wirst Du verrückt! Schmerzen ohne Ende und die schicken Dich einfach wieder weg!

Ein alter Freund von mir ist Arzt und Psychotherapeut. Den rief ich an. Ob er mir helfen könnte? Den Tag drauf um 12 Uhr der Termin bei ihm. Ich war weichgeklopft wie ein Kotelett vor dem Braten. Zuerst setzte er Akupunkturnadeln. Sehr schnell kreiste er mein Problem ein: Schon ausgetrauert? Schuldgefühle? Die Tendenz mich selbst zu bestrafen! Ja, das konnte ich fühlen: Was hab ich nicht alles falsch in meiner Beziehung gemacht, was hätte ich besser machen können? Und in meiner neuen Beziehung dasselbe Muster: Zu schnell, zu viel, zu wenig empathisch, zu egoistisch! Woher das Muster? Ich erinnere mich: Meine Mutter kannte keine Grenzen, immer direkt, bis hin zu verletzend. Herzenswärme null.
Die Schritte, die wir in dieser Therapiestunde gingen, waren Sprünge. Um 13 Uhr hatte ich den Eindruck: Jetzt ist der Schutt weggeräumt und ich darf sehen und erkennen. Meine Rückenschmerzen und mein verhärteter Muskel waren weg. Ich fühlte mich wie neu geboren. Meine Lebensenergie zurück, mein Potentialkoffer wieder offen und ein Energiepegel, der weit über den messbaren Bereich hinausging. Voller Dankbarkeit und mit Freudentränen brach ich auf ins Wochenende, in ein neues Leben.

Schuldgefühle sind nicht Schuld

Denn Schuldgefühle sind nicht Schuld, ich wollte ja niemand verletzen, ich tat es, weil ich meinem Muster folgte, ohne es zu bemerken. Und weil die Schuldgefühle so groß waren, mußte ich natürlich viel tun. Und wurde rastlos dabei, Hummeln im Arsch. Und schnell, zu schnell. Dann aus der Kurve zu fliegen ist kein Wunder, sondern Resultat. Jetzt ist mir wieder bewußt: Ich bin ein von Gott geliebter Mensch. Ich darf sein, so sein, wie ich bin, ohne Leistung. Ich darf lieben, mich lieben lassen, darf loslassen. Und das halte ich mir vor Augen, sprichwörtlich:

PS Energie: Unerschöpflich, Schmerzen: Null

PPS Meinem Freund und Therapeuten und seiner Frau schrieb ich:
„Hallo C. und H., ich hab durchgeschlafen heute Nacht. Keine Schmerzen mehr. Bin ganz glücklich. Vom Körpergefühl her komme ich mir vor wie gerädert, merke also, dass da irgendwas war. Und die Taubheit im rechten Arm bis zum kleinen Zeigefinger ist auch noch da. H. ich danke dir, für deine Hilfe und den Weg, den du mit mir gestern gegangen bist. Dieses Gedicht habe ich heute Morgen gemacht“:


Der neue Tag beginnt. Ich bin wach, hellwach.
Es wird langsam hell, immer heller. Auch in mir.
Ich bin erstaunt, überwältigt. Ich bin glücklich.
Ich bin entspannt.
Keine Schmerzen, keine Verspannungen.
Keine Schuldgefühle mehr.
Eine neue Zeit beginnt.
Geschenk des Lebens.
Entronnen.

Ich bekam folgende Antwort:
Lieber Peter, wir freuen uns mit Dir.
Glückliche und Patienten sind uns am Liebsten.
Wir danken Dir für Dein Gedicht.
Es gefällt uns sehr.
Liebe Grüße
H. und C.
🍀🌺

2 Kommentare zu „Energie Null, Schmerzen 100 oder: Wie Gefühle sich somatisieren

  1. Hallo, Peter, auch dieser Text hätte in großen Teilen von mir sein können. Wie ähnlich unsere Situation ist . Das Thema Schuld war mein erstes in meiner Pilgerwoche . Ein Dreh- und Angelpunkt. Schuldgefühle sind Lebensverhinderer. Ich bin jetzt auch ein Stück weiter. Ich habe jetzt auch mehr als eine Ahnung davon, dass ich auf der 10-teiligen Leistungsskala auch bei 5 oder sogar weniger wertvoll bin. Alte Fehler in neuen Beziehungen – auch da bin ich dran. Lebensverhinderer! Aufbrechen (im doppelten Sinn) solange noch Zeit ist! Ich bin auch dran! Lg von Manfred

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