Vom Auf-machen

Letztes Jahr ist viel passiert. Mir passiert. Plötzlich hat sich mein Leben verändert. Und ich hatte keinen Einfluss darauf, keine Kontrolle mehr.
Wenn ein geliebter Mensch stirbt ist es so, als ob das Licht ausgeht. Plötzlich bist du tastend im Dunkeln. Vor ca. einem Jahr habe ich unser Testament geschrieben in der Hoffnung, dass wir es nicht so schnell brauchen. Aber es ging schneller als wir alle dachten und phantasierten. Am 12. Mai 2019 starb meine Frau Barbara mit 68 Jahren an den Folgen des Leberkrebses.
Das einzig Positive, was ich im Moment darin sehen kann, ist die Tatsache, dass sie nicht lange und nicht länger leiden mußte.
Sie war 47 Jahre an meiner Seite. Dass hier eine riesige Leerstelle klafft, mag jede und jeder nur erahnen. Aber sie gab mir etwas mit auf den Weg. Eine ihrer wichtigen Worte in dieser letzten Phase ihres Lebens war: „Du hast noch 20 oder 25 Jahre vor Dir, mach was draus!“
Am 21. Mai haben wir sie beerdigt mit einem bewegenden Trauergottesdienst mit besonderer Musik und vielen Freunden und Weggefährten. Seitdem lebe ich in einer großen Spannung. Der Spannung zwischen großer Traurigkeit und neuer Lebenslust.
Am 15. Juli habe ich mich mit Greta, meiner Elohündin, auf-gemacht noch Norwegen um von Lillehammer noch Trondheim zu pilgern. Mehr dazu auf meinem Pilgerblog.
Am 15. September, unserem Hochzeitstag, habe ich mein Wohnmobil, einen VW-Bulli bekommen und bin im Oktober nach Süddeutschland und die Schweiz gereist, um Farben für den Winter zu sammeln.

Im Januar dieses Jahres habe ich mich aus Wienhausen verabschiedet und bin in die Nähe meiner Familie gezogen in eine kleine Wohnung. Die Veränderungen sind heftig und manchmal schmerzlich, aber ich bin der festen Zuversicht, dass sie der Doppelpunkt für mein „neues Leben“ sind. Ich sage extra nicht Grundlage, denn meine Grundlage ist die Dankbarkeit für alles, was ich bisher erlebt und geschenkt bekommen habe. Das ist auch mein Glaube, dass Gott mich hält und einen Weg für mich hat.

Eremoswochen

Ich gehe in die Wildnis, um ein Teil zu sein, um meinen Platz in der Welt als meinen Platz zu akzeptieren. Um zu leben. Um zu atmen. Um zu sein. 
William Ashworth (*1942)

Heute habe ich mit den Eremoswochen begonnen. Das ist ein Exerzitienweg bis Palmsonntag. Letztes Jahr im September habe ich Jan Frerichs von der Franziskanischen Lebensschule bei Naturexerzitien kennengelernt. 
Mit einem wunderbaren Journal, täglichen Impulsen, einem wöchentlichen Austausch sind wir ab heute unterwegs mit Menschen aus ganz Deutschland und darüber hinaus um unserer Sehnsucht Raum und Gestalt zu geben.

Was bedeutet Eremos?
Die Bibel nennt die Wüste »eremos«. Das Wort bezeichnet aber mehr als eine Wüstenlandschaft, es ist auch einfach der »wilde Ort« oder auch noch allgemeiner die »wilde Natur«. Eremos beschreibt jenen Bereich, der ganz ursprünglich ist, außerhalb aller zivilisierten Komfortzonen. Und jeder Mensch trägt einen solchen Eremos im Herzen. Es ist der Ort, an dem jeder und jede ganz ursprünglich und verbunden mit allem ist. Der Ort, an dem ein Feuer brennt, das niemals erlischt, und wo Gott dir begegnet – so wie er Mose im Dornbusch begegnete.

In den Eremos-Wochen geht es darum, diesen wilden und ursprünglichen Ort zu erkunden und dort (wieder) heimisch zu werden, Wurzeln zu schlagen. Denn dort ist die Quelle inneren Friedens und Lebendigseins, Intuition und Kreativität und auch ein Zugang zu der ureigenen Gabe zu finden, die wir der Welt schenken können. Die Suche nach deinem wahren Selbst – deinem innersten Kern – und die Suche nach Gott, sind im tiefsten Grunde ein- und dasselbe: »Gott und ich, wir sind eins«, so formuliert es Meister Eckhart.

Mehr zur Franziskanischen Lebensschule

Einladung zu den Eremoswochen 2021