Gedanken zum Jahresende oder:

Das neue KIRCHENJAHR hat begonnen

Dieser Tage erhielt ich eine Mail von meinem ehemaligen Chef der Männerarbeit in Hannover. Der Inhalt hat mich so angesprochen, dass ich mir die Erlaubnis geben ließ, den Text zu veröffentlichen.

Gedanken zum Jahresende

Liebe Freunde der Männerarbeit, liebe Mitmenschen und Mitchristen!

Wir gehen in die letzten Wochen eines denkwürdigen Jahres. Es ist ein Jahr, in dem wir uns bescheiden mussten und vielleicht bescheidener geworden sind. Nach dem Lockdown im Frühjahr und der Einschränkung des gesamten Lebens schien schon vieles überstanden zu sein. Wir fingen an, uns wieder zu treffen, zuerst wenn möglich draußen. Es gab wieder Verabredungen und Veranstaltungen, wenn auch mit Vorsicht. Wir fingen auch an, uns an die Regeln zu gewöhnen. Ja, so könnte es gehen mit der neuen Normalität, dachten wir. Aber mit dem Herbst wurde es dunkler, kühler, die Aufmerksamkeit vielleicht nachlässiger. Und dann zeigte sich, dass nichts überstanden war. Erneut wird das gerade erst eingeübte Leben ausgebremst. 

An der Tankstelle erzählt der Kassierer, dass sein Freund beatmet wird und bei seiner Frau, die vor sechs Wochen betroffen war, bis heute der Geschmackssinn nicht zurückgekommen ist. Da kommt es einem nah und das Ungreifbare wird real. Die meisten zeigen sich einsichtig und erkennen die Notwendigkeit. Aber die Stimmung trübt sich ein wie im Nebel. Die dunkle Jahreszeit würde sonst aufgehellt von vorweihnachtlicher Erwartung. Aber wie wird das Fest in diesem Jahr? Was wird überhaupt möglich sein? Fällt Weihnachten aus? Wie wird das gehen, wenn man sich allenfalls vorsichtig sehen kann? Welche Art von Fest wird das werden?

Vielleicht ist „Trotzdem“ das passende Wort für die diesjährige Weihnachtszeit. Nicht in dem Sinn, dass wir trotzdem machen, was jetzt falsch wäre. Es gibt ein „Trotzdem“ des Weihnachtsereignisses selbst. War es nicht von Anfang an so, dass Gott trotzdem zu den Menschen kam? Trotz der Aufregung, die schon damals herrschte. Trotz der Verhältnisse, die für manche einen Kampf um die Existenz bedeuteten? Weihnachten geschieht. Wir erinnern uns, wie Gott seinen Platz nahm in einer Welt, die beengend sein kann, herausfordernd oder eben auch pandemisch. Sein Ort ist da, wo es beengt zuging. Trotzdem oder gerade deshalb stiftete er die Heilige Nacht. Weil er kommen und da sein will. Unsere gewohnten Feierabläufe mögen gestört sein, unsere Vorlieben ausgebremst und manche Sicherheiten zerstört. Aber das hindert nicht Weihnachten. Weihnachten ist göttlich. Weihnachten geschieht auch in diesem Jahr!

Wir werden uns bescheiden, werden Vernunft walten lassen und üben uns in Geduld. Wir haben schon eine Menge gelernt und setzen auf die gewonnenen Erfahrungen. Was an Hilfsmechanismen im Frühjahr auf die Schnelle erfunden werden musste, ist jetzt routinierter. Wir lassen hoffentlich keinen auf der Strecke. Und wir werden auf diese andere Art trotzdem feiern. Vielleicht in Etappen. Vielleicht mit Gästen, die digital mit am Tisch sind, vielleicht mit einem Gottesdienst in der Natur statt in der Kirche. Trotzdem und auch im Kleinen werden wir uns beschenken. Mit Verbundenheit, die nicht ausgelassen ist, aber fein und wertvoll. Das, was möglich ist, werden wir besonders wertschätzen.

Trotzdem Weihnachten! Weil Gott sich gerade unter dieses Leben gemischt hat. Und weil sein Dasein gerade in die kleinen, begrenzten und beengten Verhältnisse eine Weite des Herzens bringt und dazu hilft, den Widrigkeiten zu trotzen und trotzdem hoffnungsfroh zu sein. Und wenn der Blick dann weitergeht – bis hinein ins nächste Jahr – werden wir hoffentlich davon etwas mitnehmen können. Die innere Weite und verständige Weitsicht wird uns helfen, die äußeren Begrenzungen mitzutragen, solange es nötig ist. Es wird uns helfen, weiter geduldig zu sein und im besten Sinn pragmatisch, nämlich daran orientiert, was hilft und nützt.

Ein langer Weg liegt vor uns …

Ja, trotzdem ist Weihnachten. Gott kommt für eine Weite im Herzen, in der Seele und auch im Verstand. Dass wir unsere Weitsicht behalten und jede Aussicht zum Besseren durch unser Mittun befördern. Gottes Weihnachten ist dafür da, dass wir etwas im Herzen zu bewegen haben. Denn wer das hat, wird nicht eng werden, sondern beweglich bleiben und auch in den gegebenen Grenzen Gottes Weihnachtsbotschaft erleben.

Herzliche Grüße

Henning Busse, Landespastor für Männerarbeit

Im Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

PS Ich füge hinzu: Danke Henning für diese ermutigenden klaren Worte.

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